Mittwoch, 21. Oktober 2026

Wenn Pionierbaum auf Pioniergeist trifft

Ein Baum, mehrere Nutzungsformen. Auf dem Hof Schierholz wurden Pappeln gepflanzt, auf der Auslauffläche der Legehennen und auf dem Acker. Auf dem Feldtag des Projekts PappelWERT erklärt Friederike Schierholz, was sich seit dieser Entscheidung verändert hat.

Reger Austausch im Hühnerwald
Reger Austausch im Hühnerwald

„Die Pappel ist ideal für den Einstieg in die Agroforstwirtschaft. Sie wächst schnell, ist robust und lässt sich vielseitig nutzen.“ Mit diesen Worten macht Michael Weitz, Geschäftsführer der Lignovis GmbH und Leiter des Projekts PappelWERT deutlich, warum gerade dies Baumart für Agroforst so interessant ist. Der Hof Schierholz in Eydelstedt zeigt, wie Agroforst mit Pappeln in der Praxis funktioniert. Davon überzeugten sich über 35 Teilnehmende beim PappelWERT Feldtag am 13. Oktober 2026.

Agroforst adressiert mehrere Herausforderungen der Landwirtschaft, betont Michael Weitz. Gehölzstreifen helfen bei der Anpassung an den Klimawandel, fördern das Tierwohl und binden CO2 im Boden und dem Holzzuwachs. Gleichzeitig ermöglichen Agroforstsystem die Verbindung von Gehölzproduktion und Landwirtschat. An dieser Stelle setzt das Projekt PappelWERT an. Das Projekt verfolgt das Ziel, Landwirtschaft und Holzindustrie miteinander zu verbinden und damit Perspektiven für die Nutzung von Gehölzen auf landwirtschaftlichen Flächen zu schaffen.

Nach der Einführung ging es raus auf die Fläche. Der Hof Schierholz verfügt über 4500 Legehennenplätze in drei Mobilställen sowie eine eigene Junghennenaufzucht. Der Betrieb hat 2020 die erste Fläche mit Pappeln bepflanzt. Auslöser war der Hitzesommer 2018, der zu starkem Hitzestress bei den Hühnern geführt hat. Darüber hinaus wurde der Auslauf von den Hühnern, die ursprünglich Wald- und Waldrandbewohner sind, kaum genutzt. Die Pappeln bieten den Hühnern Deckung und schaffen eine strukturreiche Umgebung, die sie stärker zur Nutzung der gesamten Auslauffläche anregt. Friederike Schierholz beschreibt ihre Erfahrungen seit Anlage des Hühnerwalds: „Wir haben mit den Pappeln ein Waldfeeling geschaffen. Die Hühner nutzen die Auslauffläche nun vollständig, sie fühlen sich sicher“.

Auch beim Schutz vor Hitze und Wind zeigen sich nach Angaben des Betriebs Vorteile. Vor der Anlage des Hühnerwalds kam es insbesondere in heißen Sommern, etwa im Jahr 2018, zu Tierverlusten aufgrund von Hitze. Seit der Etablierung der Bäume hat auch an den heißesten Tagen der Hitzestress deutlich abgenommen. Zudem verringere sich die Zugluft im Stallbereich. Die Hühner nutzten die Fläche viel intensiver.

Vorstellung der Ergebnisse auf der Ackerfläche
Vorstellung der Ergebnisse auf der Ackerfläche

Weiter ging es zu einem Agroforstsystem auf insgesamt rund 20 ha Ackerfläche. Helena Rodemeier von der Universität Göttingen stellte dort erste Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Bäumen und Ackerkulturen auf der Agroforstfläche vor. Die Pappeln wurden dort 2021 gepflanzt und 2022 durch Nachpflanzungen ergänzt. Seit 2024 wird die Fläche im Rahmen des Projekts PappelWERT regelmäßig untersucht.

Zunächst betrachteten die Forschenden die Entwicklung der Bäume. Im Fokus standen dabei die gemessenen Zuwächse beim Brusthöhendurchmesser (BHD) und bei der Baumhöhe. Anschließend ging es um die landwirtschaftlichen Kulturen und deren Erträge im Bereich der Baumreihen. Um mögliche Auswirkungen der Bäume auf die Ertragsentwicklung zu untersuchen, wurden die Erträge in unterschiedlichen Abständen zu den Baumreihen erhoben. Dieses sogenannte Transekt-Design ermöglicht es, Unterschiede innerhalb der Agroforstfläche sichtbar zu machen.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass die Konkurrenz zwischen Bäumen und Ackerkulturen unmittelbar an der Baumreihe am stärksten ist. Mit zunehmender Entfernung von den Bäumen steigen die Erträge an. Gleichzeitig konnten auf der Agroforstfläche insgesamt höhere Erträge erzielt werden als auf der untersuchten Referenzfläche.

Der Feldtag zeigte, wie unterschiedlich Agroforstsysteme in der Landwirtschaft eingesetzt werden können: Im Hühnerwald stehen vor allem der Schutz der Tiere und die bessere Nutzung der Auslauffläche im Vordergrund. Auf dem Acker geht es darum, die Produktion von Feldfrüchten mit dem Wachstum und der späteren Nutzung von Holz zu verbinden.

Das Projekt PappelWERT wird gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat durch den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), im Rahmen des Förderprogramms „Nachwachsende Rohstoffe“.